Interview mit dem Platzbau-Unternehmer Matthias Pötter

– Wie kam die Familie Pötter dazu, Golfplätze zu bauen?

1986 wurde bei uns im westlichen Münsterland in Ahaus-Alstätte die erste neuere Golfanlage gebaut.

Mein Vater – Josef Pötter – und mein Onkel – Ludger Pötter – ergriffen diese Chance, in den Golfplatzbau einzusteigen. Bis dahin waren wir ein Unternehmen des Garten- Landschafts- und Sportplatzbaus, das immerhin bereits seit 1935 bestand, gegründet von meinem Großvater, ebenfalls Josef Pötter.

Man sprach uns damals aus dem Kreis der Investoren gezielt an, da wir in der Region bereits als leistungsfähiges Unternehmen bekannt waren. Hätten meine beiden Vorgänger nicht ihr ernsthaftes Interesse nicht zuletzt auch durch weitreichende Investitionen bekundet, hätte man sich dort wahrscheinlich ein britisches Unternehmen herangeholt.

– ⁠ Du hast ja viel Erfahrung im Golfplatzbau, wie viele Plätze habt Ihr gebaut ? Welche aktuellen Projekte macht Ihr gerade?

Seit der Zeit damals sind natürlich eine Menge Anlagen hinzugekommen. Es begann ja damals in den 90ern der große Golf-Boom, was v.a. den Neubau von kompletten Plätzen anbelangt. Das drehte sich dann ab der Jahrtausendwende immer mehr in Richtung Umbau von bestehenden Golfanlagen.

Im Laufe der Jahre, ich habe tatsächlich mal gezählt, jedoch weiß ich nicht die ganz genaue Zahl, haben wir über 700 Grüns gebaut. Wenn ich unsere Referenzliste durchgehe, in der sich nicht alle kleineren Projekte wiederfinden, dann finde ich dort 23 Projekte mit 18 Spielbahnen, 17 Golfanlagen bei denen wir 9 Bahnen gebaut haben und auch 2 Projekte, bei denen es direkt um 27 Spielbahnen ging. Der Rest sind eine Vielzahl von Übungsanlagen und andere Golfplatzumbauten.

Neben Golf & More hier bei Dir in Huckingen sind wir gerade noch dabei, den Golfplatz des PGC Bad Ems umzubauen, der auf sein 100-jähriges Jubiläum im Jahr 2028 zusteuert und sich dazu komplett modernisiert.

Im letzten Jahr und mit dem letzten Schliff in diesem Frühjahr haben wir in Neustadt im Harz, in der Nähe von Nordhausen, eine neue 9-Loch-Anlage gebaut. Außerdem bauen wir gerade im Rahmen eines kleines und sehr feinen Projektes im ebenfalls traditionsreichen Aachener Golfclub einige Abschläge und Bunker neu bzw. um.

– ⁠Welche von Euch gebauten Plätze sind besonders in Erinnerung geblieben und warum?

Golfplätze sind oft auch komplexe Bauprojekte mit viel Technik und Infrastruktur. Besonders anspruchsvoll in dieser Hinsicht waren bestimmt die riesige Anlage des Kölner GC unweit von hier, aber auch die Golfanlage des Hofgut Georgenthal in der Nähe von Wiesbaden, mit herausfordernden Bodenverhältnissen, sehr bewegter Topografie, mehreren Pipelines im Gelände, etc. Spannend war als Auslandsprojekt auch der Umbau der 18-Loch-Anlage des GCC Zürich, und auch das Wedge-o-Drom und die anderen Übungsanlagen des GC St. Leon-Rot.

Als ästhetisch besonders und durch das Design hervorstehende Plätze werden mir neben den bereits genannten auch der Umbau des Freiburger Golfclubs und des GC Heidelberg-Lobenfeld in Erinnerung bleiben, wie auch Gut Wissmannshof und der GC Herzogswalde bei Dresden – und dann natürlich bald auch unser gemeinsames aktuelles Projekt hier bei Golf&More.

– ⁠ Was kannst Du über die Bauphase bei Golf&more sagen, welche Besonderheiten gab es zu bewältigen? Worauf können sich die Mitglieder freuen?

Eine Besonderheit, die uns zu Beginn der Baumaßnahme vor Herausforderungen gestellt hat, war der im Jahr 2024/2025 zunächst extrem hohe Grundwasserstand v.a. im Süden der Erweiterungsfläche. Dies hat v.a. den Baustart erst verzögert, dann aber auch eine Neuausrichtung der die interne Baustellenabläufe erfordert.

Dass ein weiterer Teil auf einer alten Deponie und zudem noch über weite Strecken im laufenden Spielbetrieb stattfand, hat die Sache nicht leichter gemacht.

Herausgekommen sind dabei sehr unterschiedliche und somit sehr attraktive Bereiche und Golfbahnen. So haben wir gemeinsam mit Dir und dem Architekten David Krause aus der natürlichen Gegebenheit des zuweilen hohen Wasserstandes eine abwechslungsreiche, sehr natürliche Landschaft gestaltet, in die die Golfbahnen eingebettet sind. Darauf, denke ich, können die Mitglieder sehr gespannt sein.

– ⁠ welches ist Dein Lieblingsloch bei Golf&more?

Ich mag das Par-3 West 8 sehr. Auf der rechten Seite gibt es wirklich rauhe Natur, dann ein wunderschön geformtes Grün. Es sitzt alles an der richtigen Stelle. Die rauhe Kante der Grasmulde rechts am Grün gibt nochmal eine neue Idee hinzu. Gefällt mir richtig gut.

Lieber Matthias, herzlichen Dank für das angenehme Gespräch und die produktive Zusammenarbeit.

Joe Fülöp